Wir machen hier doch nicht Wellness!

Letztens habe ich folgende Aussage von einem Schulleiter gehört: „Schulentwicklung fing bei uns an, als wir uns als Lehrer und Lehrerinnen entschieden haben, uns in der Schule wohlfühlen zu dürfen.“

Zwei Aspekte dir mir da auffallen. Zunächst sich selber die Erlaubnis zu geben, sich während Arbeit, also in der Schule, wohl fühlen zu dürfen und als nächstes herauszufinden, was man dazu braucht und dies auch umzusetzen.

Aus meiner Sicht ist der erste Schritt der schwierigere, weil er etwas mit unserer Vergangenheit zu tun hat. Mit der Vergangenheit eines jeden von uns persönlich. Wir alle haben in unserem Leben Sätze wie, „Jetzt beginnt der Ernst des Lebens“, „Wenn etwas Spaß macht, dann hat es keinen Wert“ usw. viele Male gehört und tief in unserem Inneren verankert. Wenn wir arbeiten gehen, dann ist das der Ernst des Lebens, wenn es uns Spaß macht oder wenn wir uns wohlfühlen, dann klingt das in vielen Ohren seltsam. Dann kann etwas nicht stimmen, dann ist damit das Gefühl verbunden, nichts zu leisten. Dahinter steht, dass man während der Arbeitszeit etwas zu geben und nichts zu bekommen hat. Wir erhalten unser Geld und dafür müssen wir etwas leisten, etwas geben und nicht auch noch was zu bekommen, im Sinne von sich wohlfühlen oder Energie bekommen. Das haben wir in unserer Sozialisation gelernt, etwas leisten und damit seine „Schuld“ als Arbeitnehmer abzugelten. Das sich Wohlfühlen und gleichzeitig etwas geben kein Widerspruch sein muss, ist nur teilweise in der Gesellschaft angekommen.

Ein weiterer Gedanken, den wir gut in unserer Kindheit und Jugend gelernt haben, und der uns im Alltag prägt, ist der, dass nur das einen Wert hat, was schwer und mit Schweiß errungen wurde. Wenn wir also etwas tun, was uns anstrengt, dann ist es gut, dann haben wir das Gefühl etwas erreicht zu haben, es muss ein bisschen weh tun. Wenn wir dabei gut oder sogar wohlfühlen, ist das für uns nicht so gut zu ertragen. Danach darf man stolz sein, sich auf die Schulter klopfen, vorher kommt aber Mühe, Anstrengung Überwindung, auch des eigenen Schweinehundes. Ich will nicht dafür plädieren, dass man sich nicht anstrengen sollte, aber wenn etwas nicht ein wenig schmerzt, dann hat es einen geringeren Wert.

Dazu gehört sicher auch die Beobachtung, dass wir viele Dinge tun, von denen wir glauben, dass wir sie tun müssen, weil es von uns erwartet oder gefordert wird. Wenn wir uns fragen, wer das wirklich, ich meine, ganz wirklich von uns erwartet, dann finden wir bei vielen Dingen heraus, dass das möglicherweise gar nicht oder vielleicht ganz anders erwartet wird. Wenn wir häufig oder sogar seit Jahren für andere etwas tun in der Annahme, sie erwarten das von uns, dann steigt das Guthaben auf unserem Dankeskonto ganz schön an und wir werden wahrscheinlich innerlich irgendwann erwarten, dass der andere etwas zum Ausgleich tut. Wenn dies nicht geschieht, oder der andere sogar signalisiert, das er zu einem Abbau des Guthabens nicht bereit ist, sind wir enttäuscht, verärgert, verletzt und werfen unter Umständen dem anderen vor, undankbar zu sein. Als Lehrer ist es ja häufig so, dass wir den ganzen Tag Dinge tun, weil wir für die Kinder und Jugendliche das Beste wollen, dabei gehen wir regelmäßig über unsere Grenzen, stellen unsere eigenen Bedürfnisse unser eigenes Wohlbefinden zurück und steigern damit unser Guthaben gegenüber den Schülerinnen und Schülern. Wahrscheinlich werden Sie erlebt haben, dass die Kinder und Jugendliche diese Guthaben nicht unbedingt ausgleichen wollen und dies natürlich auch nicht tun. Enttäuschung, Frust und Verlust von Vertrauen ist die Folge, wenn wir vorher soviel gegeben haben. Zweifache Entbehrung und Opfer bringen. Erst viele gearbeitet und investiert, nicht immer zum eigenen Wohlbefinden und dann noch nicht mal einen ordentlichen Dank erhalten.

Deshalb deshalb möchte ich euch anregen, jetzt anzufangen, sich wohlzufühlen. Prüfe, was dir Kraft gibt, woran du Freude hast. Tu diese Dinge. Mache andere Dinge, die dich belasten, die mehr Kraft rauben, als dass sie geben, nicht mehr. Das heißt nicht alles nur nach Lust und Laune zu tun, manches was anstrengt macht auch Freude. Aber werde dir über die Tätigkeiten bewusst, wo du ein Wohlgefühl hast, wo es dir gut geht und wo nicht. Sicher hast du die Erfahrung gemacht, dass die Dinge die einem Freude bereiten, bei denen man sich wohlfühlt, leichter von der Hand gehen als andere. Mache mehr von diesen, und richte davon auch Zusätzliche in deinem Alltag ein und lass andere weg. Achte gemeinsam mit deinen Kolleginnen und Kollegen darauf, wo es kleine Dinge im Schulalltag gibt, die zu Eurem Wohlbefinden beitragen. Setzt Euch für eine Kaffeemaschine, bequeme Stühle, arbeitserleichterndes Equipment oder auch einen Ruheraum an Eurer Schule ein. Es finden sich meist Lösungen, auch von unerwarteter Stelle. Fazit: Gestalte Dir Deinen Schulalltag so, dass Du mehr Energie bekommst, als Du gibst, denn Du verbringst viel (Lebens-)Zeit in der Schule. Warte nicht bis zum nächsten Wellnessurlaub oder gar bis zur Rente. Bleib vorher gesund, Dir nutzt die Rente nichts, wenn Du bis dahin krank geworden bist. Carpe diem!

Fortsetzung folgt.

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