1.Teil So macht Unterricht Spaß oder Unterricht einfach mal anders

Aktualisiert: Feb 17

Ich möchte heute über einen besonderen Unterricht berichten, den ich letztens in einer neunten Klasse gegeben habe. Der Unterricht bestand aus 15 Doppelblöcken und war projektartig innerhalb von drei Wochen täglich angeordnet. Es handelte sich um das Unterrichtsfach Physik.

Meine Idee war es, dass die Schülerinnen und Schüler den Stoff selbständig erlernen. Aus meiner Sicht gibt es viele spannende und anschauliche Dokumente, mit denen man sich heute Wissen aneignen kann. Da ist der Lehrer, der den Stoff als „Experte“ vermittelt eher ein Dinosaurier der Wissensvermittlung.

Bevor ich startete, war es mir wichtig, dass die Schüler und Schülerinnen, mitentscheiden können, ob sie diese in dieser Schule besonderen Form des Unterrichtes mitmachen und unterstützen wollen. Deshalb habe ich ihnen erzählt, was ich vorhabe. Ich erzählte Ihnen davon, dass ich Themen zur Auswahl hätte, dass sie aber auch eigene Themen einbringen könnten. Dass sie sich den Stoff selbständig und/oder in Gruppen erarbeiten sollten, dass ich also nicht vorne stehe und für alle etwas erklären würde. Dass sie das Gelernte in eigenen Texte und möglichst auch selbst angefertigten Zeichnungen dokumentieren würden. Dass diese Dokumentation als Lernnachweis dienen würde (Mein Vertrauen vorausgesetzt, dass sie nicht Texte aus dem Internet abschreiben). Dass sie selber Versuchen machen würden. Dass sie schlussendlich einiges zu entscheiden hätten.

Es gab viele Rückfragen und Gedanken. Nicht alle Fragen konnte ich beantworten, bei einigen musste ich auch sagen, „ich weiß es nicht, lasst uns den Unterricht gemeinsame gestalten und schauen, was für euch und mich passend ist“.

Die Schülerinnen und Schüler haben sich einstimmig für dieses Experiment ausgesprochen. Dabei ging es nicht um eine Mehrheitsentscheidung, sondern die Schülerinnen und Schüler haben sich auf eine Skala mit den Endpunkten, „ich kann mir diesen Unterricht überhaupt nicht vorstellen“ und „diese Unterrichtsform entspricht genau dem, was ich jetzt gerne probieren möchte“ aufgestellt. Alle Anwesenden standen auf der Hälfte mit der Zustimmung. Spannend wird es, wenn Schülerinnen oder Schüler gibt, für die solcher Unterricht nicht denkbar ist. Dann gilt es zu verstehen, was zu tun ist und wie man mit den Schülerinnen oder Schülern im Dialog eine Lösung finden könnte. Natürlich kann man sich auch darüber hinwegsetzen, dann wird aber der offene Entscheidungsprozess unglaubwürdig.

Ein weiterer wichtiger Schritt am Anfang waren für mich drei Fragen, die ich die Schüler und Schülerinnen bat zu beantworten. Sie lauteten: 1. „Was muss in diesem Unterricht passieren, dass du am Ende sagen kannst, dieser Unterricht war ein voller Erfolg.“ 2. „Was kannst du zu diesem Erfolg beitragen.“ 3. „Was sollte in diesem Unterricht nicht passieren.“

Diese Fragen sollen die Schüler und Schülerinnen motivieren, darüber nachzudenken, was für sie ein erfolgreicher Unterricht ist und woran sie das messen würden. Außerdem werden Sie angeregt über ihren Beitrag zu reflektieren und außerdem impliziert die Frage, dass sie mit für ihren Erfolg verantwortlich sein können. Wenn ich weiß, was nicht passieren soll, kann ich eher dafür sorgen, dass dies auch wirklich nicht eintritt. Zu guter Letzt, dienten die Antworten als Grundlage für eine Endauswertung am Schluss des gesamten Unterrichtes.

Nachdem die Schülerinnen und Schüler ihre Themen gewählt und mit der Recherche begonnen hatten, war es meine Aufgabe, den Lernprozess zu begleiten, nachzufragen, Versuchsmaterial bereit zu stellen, Fragen zu beantworten oder bei Schwierigkeiten nur zu zuhören.

Die Schüler gingen absolut unterschiedlich ans Werk. Einige starteten gleich mit dem Bau eines Lautsprechers nach einem Modell, welches sie gesehen haben. Anderen recherchierten erst mal.

Die Anfangseuphorie dauerte ungefähr einen Tag. Dann ging es darum, dran zu bleiben, das Thema zu vertiefen, bei Unklarheiten nochmal zu recherchieren, sich von anderen etwas erklären zu lassen. Oder vielleicht erst einen Versuch zwischendurch zu machen.

Wie funktioniert denn nun der Kühlschrank und was hat der Versuch damit zu tun? Fragen entstanden und damit die Möglichkeit sich auseinander zusetzen, einerseits inhaltlich, aber sich auch zu fragen, wie stark interessiert mich ein Thema, soll ich ein anderes wählen oder doch noch mal vertiefend forschen. Wie möchte ich meine Erkenntnisse verschriftlichen. Es begann ein Prozess der Auseinandersetzung mit dem Thema und mit sich selber.

Am Ende eines jeden Unterrichtes und in Abständen auch zwischendurch, habe ich Reflektion angeregt und eingefordert. „Was habe ich heute erreicht?“ „Was mache ich morgen?“ oder „wie zufrieden bin ich mit dem Erreichten?“ Fortsetzung folgt am Wochenende

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