Burnout vorbeugen

Wir verbringen einen Großteil unserer Lebenszeit mit unserem Beruf. Offiziell sind es bei einer vollen Arbeitsstelle bekanntlich ca acht Stunden pro Tag, oder 40 Stunden in der Woche. Inoffiziell arbeiten viele Menschen mehr. Dies trifft auch auf Lehrerinnen und Lehrer zu, auch wenn die Berechnungen etwas anders sind, vergeht ungefähr ein Drittel unserer Lebenszeit mit der Arbeit im Beruf; selbst beim Einbeziehen des Wochenendes sind es fast noch ein Viertel. Lebenszeit, die häufig mit starken Belastungen und vor allem auch Überforderungen verbunden. Was von vielen als normal oder mindestens als unveränderlich hingenommen wird. Viele verschiedene äußere Anforderungen treiben uns durch den Tag. Da sind die Rahmenlehrpläne, die Anforderungen aus der Schulleitung, die Erwartungen der Eltern und schließlich die Schülerinnen und Schüler mit ihrem Forderungen und Herausforderungen im Unterricht und den Pausen. Dabei entsteht häufig das Gefühl nicht mehr Herr der Lage zu sein, sondern eher von einer Seite auf die andere geworfen zu werden, geschweige denn, Freude und Zufriedenheit in seiner Arbeit zu erlangen. Trotzdem setzen sich viele Lehrer und Lehrerinnen mit viel Engagement ein und versuchen alles, damit ihre Schülerinnen und Schüler etwas Lernen. In den wenigsten Fällen erhalten sie eine Anerkennung von ihren Schülern und Schülerinnen dafür. Aber auch die Kolleginnen und Kollegen, die selbst hohen Einsatz zeigen, haben kaum die Möglichkeit Wertschätzung und Anerkennung zu geben, da sie selber enorm unter Druck stehen und eigentlich Wahrnehmung bräuchten. So wird immer mehr jeder sich selber der nächste. Trotzdem machen wir weiter, wie bisher.

Die Folge dieses hohen Einsatzes, der fehlenden Wertschätzung und des mangelnden Teamzusammenhaltes führen nach Einschätzung des Neurobiologen Joachim Bauer [Das Gedächtnis des Körpers S.199ff.) zu ernst zunehmenden Gesundheitsstörungen.

Studien belegen, dass annähernd 50% der Lehrerinnen und Lehrer mit 51-56 Jahren in den Frühruhestand gehen. Die Gründe für diese Frühpensionierung sind seelische Gesundheitsstörungen, die aus den oben genannten Situationen entstehen. Zu Ihnen gehört auch Burnout. Burnout tritt vor allem bei Menschen auf, die mit anderen Menschen arbeiten, zum Beispiel Ärzte und Ärztinnen, Pfleger, Krankenschwestern, Pycholog*innen, Priester und Lehrer*innen. Es wird durch mögliche Symptome, wie einen sich langsam ausbreitender Erschöpfungszustand, Stimmungslabilität, chronische Müdigkeit, Erholungsunfähigkeit u.a. bis hin zu Störungen im Bereich des Immunsystems sicht- und wahrnehmbar.

Was kann der Einzelne aber auch ein Kollegium, ein Team tun, um gesund zu bleiben. Eine mögliche Antwort darauf ist so einfach, wie sie auch schwierig ist. Es geht darum, die Beziehung zu sich und zu seinen Kolleginnen und Kollegen zu verändern. Wenn es gelingt, dass Lehrerinnen und Lehrer mit ihren Kolleginnen und Kollegen in einen konstruktiven Austausch über ihre Arbeit kommen, wenn sie es wagen könnten, mit Kolleginnen und Kollegen über Gedanken zu Schülern und Schülerinnen, zu ihrem Unterricht, und schlussendlich auch über Schwierigkeiten konstruktiv zu sprechen, entstünde nach meiner Erfahrung daraus ein ungemeines Potential an Kraft und Energie, die allen Beteiligten zu Gute kommt. Gegenseitige Unterstützung wäre die Folge und auch die Schülerinnen und Schüler würden plötzlich merken, dass innerhalb der Schule ein Geist des kollegialen und zwischenmenschlichen Miteinanders gepflegt wird. Ich habe selbst an meiner damaligen Schule erlebt, welche Energie das frei setzt, wie man von gemeinsamen Gedanken, Ideen und dem Gefühl etwas gemeinsam erreichen zu wollen motiviert und belebt wird. Die Folge war, dass ich gerne in „meine“ Schule gegangen bin, Freude an meiner Arbeit und in der Begegnung mit den Schülern und Schülerinnen und Kollegen und Kolleginnen hatte. Ich hatte das Gefühl meine eingesetzte Lebenszeit war sinnvoll und zufriedenstellend investiert.

Grundlage für einen Austausch im Kollegium, ist aus meiner Erfahrung Kollegiumsbildung, am besten mit externer Anleitung. Dies halte ich deshalb für sinnvoll, da es meist wenig Erfahrung mit der Arbeit im Team gibt, so dass es erst ein bisschen Übung braucht, damit der dann folgende Austausch hilfreich und konstruktiv sein kann und nicht auf Grund von Teamunstimmigkeiten und unterschwelligen Konflikten für lange Zeit scheitert.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass die vielfältigen Herausforderungen, die Lehrerinnen und Lehrer durch die Arbeit mit kleinen und großen Menschen, als Schülerinnen, Schülern, Kollegen Kolleginnen und Eltern erleben, zu seelischen und körperlichen Gesundheitsstörungen führen können. Eine präventive und nachhaltige Maßnahme, um sich als Lehrer oder Lehrerin oder das Kollegium gesund zu erhalten, ist die Stärkung des Teamzusammenhaltes und der Teamarbeit.



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