Alle kennen es! Aber wer kann es? Teil 1

Ich möchte euch heute den ersten Teil zu einem kleinen Handwerkszeug vorstellen. Dieses kleine Handwerkszeug könnte im Laufe der Zeit zu einem Teil von Euch werden, wenn ihr es für euch andere zufriedenstellend handhaben wollt.

Aus meiner Praxiserfahrung als ehemaliger Lehrer, als jemand der Menschen berät und in Kommunikation unterrichtet, ist das Zuhören eines der grundlegendsten Dinge für einen konstruktiven Beziehungsaufbau, und zwar in allen Situationen, in denen eine Schülerin oder Schüler, einen Kollegin oder ein Kollege oder Eltern etwas an Sie herantragen. In meiner Praxis musste ich immer wieder feststellen, dass die wenigsten Menschen wirklich nur zuhören können.

Dabei meine ich Zuhören so, dass ich ganz beim Anderen bin, dass sie sich ernst- und wahrgenommen fühlt, weil sie mein Interesse und Aufmerksamkeit spürt.

Ich möchte Euch das mit folgendem Bild verdeutlichen.



Stellt Euch eine Insel vor. Auf dieser Insel wachsen vielleicht Palmen, es gibt weißen Strand und besonders große und farbige Blumen. Insgesamt ist die Insel ziemlich flach. Türkisfarbenes Wasser plätschert in kleinen Wellen an den Strand. Ortswechsel. Eine andere Insel. Dort gibt es Berge und Bäume mit knorrigen Ästen, insgesamt ist alles saftig grün. Die Blumen tragen sehr große Blüten und große Blätter. Die Küste ist eher ein Ufer, das Wasser blau. Zwei Orten, die sehr verschieden sind. Diese beiden Inseln können für das Innenleben von zwei Menschen stehe, mit seinen Werten, Erfahrungen, Gefühlen und Ansichten.

Den größten Teil der Zeit befinden wir uns auf unserer Insel, die wir insgesamt ziemlich gut kennen, da wissen wir, wo was ist, wie sich was anfühlt usw. Da wir auf unserer eigenen Insel sind, können wir die anderen Inseln zwar sehen, aber nur wenig Details wahrnehmen. Haben wir aber Interesse an der Insel eines anderen Menschen, so können wir uns, im Bilde gesprochen in ein Ruderboot (gerne auch Motorboot) setzen und zur Insel eines anderen Menschen hinüber fahren. Dort angekommen, hängt der Besuch davon ab, ob wir an Land gehen dürfen. Das wiederum hängt von zwei Dingen ab, davon, ob der andere uns einlädt und davon, ob wir uns so verhalten, dass der andere uns einladen möchte.

Sind wir einmal eingeladen worden, dann gehört es, wie bei jedem Besuch bei einem Gast, zum guten Ton, nicht neugierig auf der ganzen Insel herum zulaufen und den/die Gastgeber*in mit Fragen nach dem wo und was zu fragen, sondern wir begleiten die Gastgeberin bei den Dingen, die sie uns auf ihrer Insel zeigen möchte. Ebenfalls ist es eher hinderlich, wenn wir zu den Dingen, die uns unser Gastgeber zeigt, Kommentare abgeben, oder eigenen Geschichten erzählen – dann wären wir schon wieder auf unserer Insel. Wir halten alle unsere eigenen Gedanken, Sichtweisen, Bewertungen und Meinungen zurück und folgen dem Gastgeber, der Gastgeberin mit Interesse und Aufmerksamkeit.

Im nächsten Blogbeitrag gibt es eine konkrete Anleitung, wie man sich auf die Insel des anderen begeben kann.

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